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Pinion MGU: Motor und Getriebe in einem

Pinion MGU: Motor und Getriebe in einer Einheit – was das praktisch bringt, wo die ehrlichen Nachteile liegen und für wen sich der Aufpreis lohnt.

Von Redaktion welchesfahrrad.de19. September 20267 Min.Redaktionell geprüft· 19.09.2026Quelle · emtb-news.de, ebike-24.com, bike-x.de
Motor und Getriebe in einem Gehäuse – ein Konzept, das sonst kein Hersteller verfolgt.
Motor und Getriebe in einem Gehäuse – ein Konzept, das sonst kein Hersteller verfolgt.

Foto: Velotric Ebike / Unsplash

Pinion geht einen Weg, den sonst kein Hersteller verfolgt: Statt Motor und Schaltung getrennt zu bauen, steckt beides in einer gemeinsamen Einheit – der Motor Gearbox Unit, kurz MGU. Dieser Guide erklärt, was das praktisch bedeutet.

Das Grundkonzept

Pinion ist seit Jahren für Getriebeschaltungen bekannt, die statt Kassette und Schaltwerk ein gekapseltes Getriebe im Tretlagerbereich nutzen. Mit der MGU kombiniert der Hersteller diese Technik erstmals mit einem Elektromotor in einem gemeinsamen Gehäuse.

Verfügbar sind unter anderem die E1.12 mit 12 Gängen und eine Variante mit kompakterem 9-Gang-Getriebe – gleiche Technologie, unterschiedliche Bandbreite.

Was daraus praktisch folgt

Schalten im Stillstand ist möglich. Weil das Getriebe nicht auf der Kette arbeitet, kannst du an der Ampel in einen leichteren Gang wechseln – ein Vorteil, den sonst nur Nabenschaltungen bieten.

Kein Schaltwerk, keine Kassette. Damit entfallen die Bauteile, die im Gelände am ehesten beschädigt werden und die bei Schmutz am meisten leiden.

Deutlich weniger Verschleiß am Antrieb. Die Kette läuft in einer geraden Linie statt schräg über eine Kassette – das verlängert ihre Lebensdauer erheblich gegenüber einer Kettenschaltung.

Zentrale Masse. Motor und Getriebe sitzen zusammen tief in der Rahmenmitte, was der Gewichtsverteilung zugutekommt.

Kombinierbar mit Riemenantrieb. Da kein Schaltwerk im Weg ist, lässt sich ein Zahnriemen statt einer Kette verwenden – praktisch wartungsfrei.

Die ehrlichen Nachteile

Gewicht: Die kombinierte Einheit ist schwerer als ein vergleichbarer Mittelmotor mit klassischer Schaltung. Bei einem E-Bike, das ohnehin über 25 Kilogramm wiegt, relativiert sich das – bei Light-E-Bikes wäre es ein Ausschlusskriterium.

Preis: MGU-Räder liegen deutlich über vergleichbaren Modellen mit Standardantrieb.

Modellauswahl: Nur eine begrenzte Zahl von Herstellern verbaut das System.

Service: Das Getriebe ist gekapselt und nicht in jeder Werkstatt zu warten. Bei Problemen führt der Weg meist über spezialisierte Händler.

Wirkungsgrad: Getriebeschaltungen haben systembedingt einen etwas geringeren mechanischen Wirkungsgrad als eine gut eingestellte Kettenschaltung. Im E-Bike-Kontext fällt das weniger ins Gewicht, weil der Motor ausgleicht – ganz weg ist es aber nicht.

Für wen sich das System eignet

Sinnvoll, wenn:

  • Du ganzjährig und bei jedem Wetter fährst und Wartungsaufwand minimieren willst
  • Du viel im Stop-and-Go-Verkehr unterwegs bist und das Schalten im Stand schätzt
  • Du ein Lastenrad fährst, bei dem häufiges Anfahren mit Last üblich ist
  • Du ohnehin über einen Riemenantrieb nachdenkst

Weniger sinnvoll, wenn:

  • Gewicht für dich ein zentrales Kriterium ist
  • Du ein möglichst günstiges Rad suchst
  • Dein Händlernetz keine Pinion-Erfahrung hat

Der Vergleich zur Nabenschaltung

Beide Systeme teilen die Vorteile Kapselung, Schalten im Stand und geringer Wartungsaufwand. Der Unterschied: Eine Nabenschaltung sitzt im Hinterrad und erhöht dort die ungefederte Masse, ein Getriebe im Tretlagerbereich nicht.

Bei E-Bikes mit Mittelmotor ist die MGU die konsequentere Lösung, weil sie beide Funktionen an derselben Stelle bündelt. Die Grundlagen zu Nabenschaltungen stehen in unserem Lexikon-Eintrag.

Wo die MGU im Marktumfeld steht

Im direkten Vergleich mit Bosch, Shimano, Brose und Yamaha spielt Pinion eine Sonderrolle: Die Konkurrenz optimiert Motoren, die mit klassischen Schaltungen kombiniert werden. Pinion verkauft stattdessen ein Gesamtkonzept.

Das macht den Vergleich über Drehmomentwerte wenig aussagekräftig – relevanter ist, ob dir das Gesamtpaket aus Wartungsarmut und Schaltkomfort den Aufpreis und das Mehrgewicht wert ist. Die Einordnung der übrigen Systeme steht in E-Bike-Motoren im Vergleich.

Vor dem Kauf klären

  1. Gibt es in deiner Region einen Händler mit Pinion-Erfahrung?
  2. Wie sind die Wartungsintervalle für das Getriebe, und was kostet der Service?
  3. Ist das Modell mit Riemenantrieb erhältlich – und willst du das?
  4. Wie viel wiegt das Rad im Vergleich zu einer Standardlösung?

Die Probefahrt ist hier besonders aufschlussreich, weil sich das Schaltgefühl deutlich von einer Kettenschaltung unterscheidet. Worauf du achtest, steht in unserer Probefahrt-Checkliste.

Fazit

Die Pinion MGU ist kein besserer Motor, sondern ein anderes Konzept: Sie tauscht Gewicht und Anschaffungspreis gegen Wartungsarmut, Schalten im Stillstand und einen deutlich langlebigeren Antrieb. Für Ganzjahresfahrer, Pendler im Stadtverkehr und Lastenradnutzer ist das ein überzeugender Tausch – für gewichtsorientierte Fahrer eher nicht.

Häufige Fragen

Was ist die Pinion MGU?
Motor Gearbox Unit – eine Einheit, die Elektromotor und gekapseltes Getriebe in einem gemeinsamen Gehäuse kombiniert. Verfügbar unter anderem als E1.12 mit 12 Gängen und als kompaktere 9-Gang-Variante.
Welche Vorteile hat das System?
Schalten im Stillstand, kein Schaltwerk und keine Kassette, deutlich weniger Antriebsverschleiß, zentrale Masse im Rahmen und die Möglichkeit, einen wartungsfreien Riemenantrieb zu nutzen.
Was sind die Nachteile?
Höheres Gewicht als ein Mittelmotor mit klassischer Schaltung, deutlich höherer Preis, begrenzte Modellauswahl, spezialisierter Service und ein systembedingt etwas geringerer mechanischer Wirkungsgrad.
Wie unterscheidet sich das von einer Nabenschaltung?
Beide bieten Kapselung und Schalten im Stand. Die Nabenschaltung sitzt aber im Hinterrad und erhöht dort die ungefederte Masse – ein Getriebe im Tretlagerbereich nicht.

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