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Simplon erneut insolvent: Zweites Sanierungsverfahren

Simplon ist zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren insolvent: 33,4 Millionen Euro Schulden, 54 Beschäftigte betroffen. Was zur erneuten Krise führte.

Von Redaktion Welches FahrradVeröffentlicht: 6 Min.Rubrik: NewsRedaktionell geprüft· 04.09.2026Quelle · KSV1870, pedelec-elektro-fahrrad.de, Alpenländischer Kreditorenverband (AKV)
Die Simplon-Produktionsgesellschaft hat zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren ein Sanierungsverfahren beantragt.
Die Simplon-Produktionsgesellschaft hat zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren ein Sanierungsverfahren beantragt.

Foto: Acelane Bikes / Unsplash

Der österreichische Premium-Fahrradhersteller Simplon steht zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren vor der Insolvenz. Die 2Rad Produktions GmbH, vormals Simplon Fahrrad GmbH, hat am 2. September 2026 beim Landesgericht Feldkirch ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt.

Was ist passiert

Von dem Verfahren sind laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) rund 150 Gläubiger mit Gesamtforderungen von etwa 33,4 Millionen Euro betroffen. Der überwiegende Teil davon – rund 28,3 Millionen Euro – entfällt auf Verbindlichkeiten aus dem vorherigen Sanierungsverfahren, die durch den gescheiterten Sanierungsplan wieder aufgelebt sind. Allein gegenüber einer Vorarlberger Bank bestehen Forderungen von rund 26 Millionen Euro. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 54 Mitarbeiter – deutlich weniger als die rund 140 Arbeitsplätze beim ersten Sanierungsverfahren, da sich die 2Rad Produktions GmbH nach der Umstrukturierung im Wesentlichen auf die Fahrradfertigung konzentriert.

Warum es zur zweiten Insolvenz kam

Nach eigenen Angaben des Unternehmens liegt eine wesentliche Ursache in Problemen bei der Übernahme des Geschäftsbetriebs nach Abschluss des ersten Insolvenzverfahrens 2024: Die dabei übernommenen Warenbestände seien unzureichend beziehungsweise unvollständig gewesen. In der Folge konnten Liefertermine nicht eingehalten werden, wodurch Umsätze und Folgeaufträge ausblieben und erhebliche Liquiditätsengpässe entstanden. Der AKV nennt zudem erhebliche Verzögerungen und Leistungsprobleme bei einem wesentlichen Outsourcing-Partner als weiteren Belastungsfaktor für Produktion und Auslieferung.

Der neue Sanierungsplan

Anders als beim ersten Verfahren 2024 beantragt Simplon diesmal ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung – das bedeutet, ein gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter übernimmt die Kontrolle über das Verfahren und das Vermögen der Gesellschaft, statt dass die bisherige Geschäftsführung die Sanierung selbst steuert. Den Gläubigern soll laut Plan innerhalb von zwei Jahren eine Quote von 20 Prozent ihrer anerkannten Forderungen ausgezahlt werden – niedriger als die 2024 vorgesehenen 30 Prozent. Ziel der Geschäftsführung ist es nach eigenen Angaben, den laufenden Betrieb fortzuführen, das Unternehmen wirtschaftlich zu stabilisieren und möglichst viele der verbliebenen Arbeitsplätze zu erhalten.

Wichtig zur Einordnung

Formal richtet sich der Insolvenzantrag nicht gegen die heutige Simplon Bike GmbH selbst, sondern gegen die 2Rad Produktions GmbH, die als deren Tochtergesellschaft für die Fahrradfertigung zuständig ist. Ob und in welchem Umfang sich das Verfahren auf Vertrieb, Kundenservice und Garantieabwicklung für bereits verkaufte Simplon-Räder auswirkt, ist aus den bislang vorliegenden Meldungen nicht abschließend ersichtlich.

Einordnung

Simplon reiht sich damit in eine Serie finanzieller Belastungen ein, die die europäische Fahrradbranche seit dem Ende des Corona-Booms trifft – erst im August berichteten wir über die Insolvenz von Accell Germany mit den Marken Ghost, Haibike und Winora. Wer aktuell ein Fahrrad eines Herstellers in wirtschaftlich unsicherer Lage in Erwägung zieht, sollte Garantiebedingungen und Ersatzteilversorgung besonders genau prüfen – worauf es beim Neu- oder Gebrauchtkauf grundsätzlich ankommt, erklären wir in unserem Kaufratgeber Fahrrad: Neu oder gebraucht?.

Wir verfolgen die weitere Entwicklung des Verfahrens und aktualisieren diesen Artikel, sobald belastbare neue Informationen vorliegen.

Quellen: KSV1870; pedelec-elektro-fahrrad.de (4. September 2026); Alpenländischer Kreditorenverband (AKV).

Quellenangabe: KSV1870, pedelec-elektro-fahrrad.de, Alpenländischer Kreditorenverband (AKV). Angaben zu Preisen, Verfügbarkeit und Fördersummen entsprechen dem Stand der Veröffentlichung.

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