Schwalbe startet Reifenrecycling erstmals im Ausland
Schwalbe startet sein Reifenrecycling erstmals außerhalb Deutschlands – zunächst in Österreich. Über 2,6 Millionen Reifen wurden bislang recycelt.

Schwalbe bringt sein Rücknahme- und Recyclingsystem für Fahrradreifen erstmals über Deutschland hinaus. Den Anfang macht seit dieser Woche ein Pilotprojekt in Österreich, die Niederlande, Belgien und Luxemburg sollen in den kommenden Monaten folgen.
Was genau passiert
In Österreich läuft ab sofort ein Pilotprojekt mit ausgewählten Händlerinnen und Händlern, mit dem der Reifenhersteller Abläufe und Prozesse testet. Der offizielle operative Start ist für den Verlauf des Jahres 2027 vorgesehen – bis dahin soll das System in allen vier Ländern etabliert sein.
Für Radfahrende ändert sich am Prinzip nichts: Gebrauchte Fahrradreifen lassen sich beim teilnehmenden Fachhandel abgeben, und zwar markenunabhängig – nicht nur Schwalbe-Reifen.
Die Zahlen aus Deutschland
Das System wurde gemeinsam mit der TH Köln und der Pyrum Innovations AG entwickelt und startete im Juli 2022 in Deutschland. Zum damaligen Zeitpunkt gab es weltweit kein vergleichbares Rücknahme- und Recyclingsystem für Fahrradreifen.
Die bisherige Bilanz nach Unternehmensangaben:
- Über 2.000 Fachhändler beteiligen sich am System
- Mehr als 2,6 Millionen gebrauchte Fahrradreifen wurden gesammelt und recycelt (Stand August 2026)
- Rund 70 Prozent des Produktportfolios stellt Schwalbe inzwischen unter Einsatz des recycelten Materials her
Wie das Verfahren funktioniert
Im teilnehmenden Fachhandel landen gebrauchte Reifen in speziellen Recyclingboxen und werden anschließend zur Pyrum Innovations AG transportiert. Dort werden sie zerkleinert und in Gummigranulat, Stahl und Gewebe getrennt.
Im anschließenden Pyrolyseverfahren entstehen daraus Sekundärrohstoffe: recovered Carbon Black (rCB), Pyrolyseöl und Prozessgas – letzteres wird zur Stromerzeugung für den Betrieb der Anlage selbst genutzt.
Der entscheidende Umweltwert: Das gewonnene rCB verursacht laut Schwalbe je Tonne rund 73 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als fossiler Industrieruß. Die Angabe bezieht sich auf den partiellen Carbon Footprint bis zum Werkstor nach GWP100 gemäß IPCC AR6 – also eine methodisch definierte Bilanzierung, keine pauschale Marketingzahl.
Einordnung
Reifen sind ein Verschleißteil mit kurzer Lebensdauer: Je nach Gummimischung, Fahrstil und Untergrund halten sie zwischen 3.000 und 8.000 Kilometern, wie wir in unserer Serviceintervall-Übersicht aufschlüsseln. Bei geschätzt über 80 Millionen Fahrrädern allein in Deutschland entsteht daraus ein erheblicher Materialstrom, der bislang überwiegend in der thermischen Verwertung endete.
Dass ein Hersteller markenunabhängig zurücknimmt, ist dabei der praktisch relevante Punkt: Der Nutzen hängt nicht davon ab, ob auf deinem Altreifen Schwalbe steht.
Was das für dich konkret bedeutet
Wer in Deutschland einen Reifen wechselt, kann den alten schon heute beim teilnehmenden Fachhändler abgeben – in Österreich zunächst bei den Pilot-Händlern, ab 2027 flächendeckend. Ein Argument mehr, den Reifenwechsel beim Händler statt in Eigenregie mit Entsorgung im Restmüll zu erledigen.
Wann ein Wechsel überhaupt fällig ist und woran du Verschleiß erkennst, steht in unserem Fahrradreifen-Kaufratgeber. Die Auswahl des passenden Nachfolgers klärt Reifenbreite und Profil richtig wählen.
Schwalbe-Reifen sind dabei ab Werk weit verbreitet: In unserer Datenbank rollen etwa das Canyon Grand Canyon AL 5 auf Schwalbe Rapid Rob und das Cube Attention auf Schwalbe Smart Sam. Welche Pannenschutz-Technologien der Hersteller in seinen Reifen verbaut und wo deren Grenzen liegen, haben wir in Pannensichere Reifen aufgeschlüsselt.
Fazit
Die internationale Ausweitung ist ein kleiner, aber konkreter Schritt: Ein bereits vier Jahre erprobtes System wird auf vier weitere Märkte übertragen, mit nachvollziehbar dokumentierten Mengen und einer methodisch definierten Emissionsangabe. Für Radfahrende ändert sich der Aufwand nicht – der Altreifen bleibt beim Händler, statt im Restmüll zu landen.
Quellen: SAZbike; pedelec-elektro-fahrrad.de (14. September 2026); Schwalbe-Unternehmensangaben.
Häufige Fragen
- In welchen Ländern startet das Recycling?
- Zunächst in Österreich als Pilotprojekt mit ausgewählten Händlern. Die Niederlande, Belgien und Luxemburg folgen in den kommenden Monaten, der operative Start in allen vier Ländern ist für 2027 geplant.
- Kann ich auch Reifen anderer Marken abgeben?
- Ja, gebrauchte Fahrradreifen lassen sich markenunabhängig beim teilnehmenden Fachhandel abgeben – nicht nur Schwalbe-Reifen.
- Was passiert mit den alten Reifen?
- Sie werden zerkleinert und in Gummigranulat, Stahl und Gewebe getrennt. Im Pyrolyseverfahren entstehen daraus recovered Carbon Black (rCB), Pyrolyseöl und Prozessgas, das die Anlage selbst mit Strom versorgt.
- Wie viele Reifen wurden bereits recycelt?
- Seit dem Start im Juli 2022 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 2,6 Millionen gebrauchte Fahrradreifen gesammelt und recycelt (Stand August 2026), bei über 2.000 beteiligten Fachhändlern.
Quellenangabe: SAZbike, pedelec-elektro-fahrrad.de, Schwalbe. Angaben zu Preisen, Verfügbarkeit und Fördersummen entsprechen dem Stand der Veröffentlichung.
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